gently disturbed

Für vier Performer, 3D-gedruckte Kunstköpfe, Vier-Kanal-Soundsystem, diverse Lautsprecher, 2-Kanal-Video, No-Input-Mixing, Sirenen und programmiertes Licht

Gently Disturbed ist eine Arbeit über Stör- und Nutzeigenschaften von Klang. Mit No-Input-Mixing, Feedbackloops und Videoglitches werden Störungen behutsam aufgebaut, geschichtet, überlagert und komponiert. Sie treten in Konkurrenz zueinander, harmonieren miteinander, maskieren einander, kontrastieren, betonen und resonieren – und formen so eine vielschichtige Klangwelt, eine Soundscape aus Rauschen, Brummen, Fiepen und Knacken. Ohrenbetäubend und schön. Ihnen gegenübergestellt sind menschliche Kommunikationstools zur Überwindung solcher Extrembedingungen: Schreie, Glocken, Sirenen und Lichtsignale erscheinen als eigentliche Störmomente. Sie funken dazwischen, verzerren und unterbrechen den Flow. Sie sind das Disruptive, die Irritation.

Diese verdrehte Gemengelage wird der zentralen Figur zugespielt: dem binauralen Kunstkopf. Als aus ASMR-Produktionen bekanntes Spezialwesen für hochauflösendes Hören ist er zugleich Rezipient und Distributionsorgan für eine breite Ö!entlichkeit. Störtrunken und überwältigt von all der geräuschhaften Zuwendung ergreift er schließlich das Wort, versucht Ordnung zu scha!en, wo Klangprodukt und Abfall längst nicht mehr zu trennen sind. Er hebt die Stimme, formiert sich zum Chor, zerfällt – und lässt das Publikum in endgültiger Unklarheit zurück: Wer empfängt, wer sendet? Mit welchen Mitteln erreicht eine Botschaft ihr Ziel – und wer soll das sein?

Konzept, Komposition und Performance: sh|ft ensemble