gently disturbed

sh|ft ensemble will mit Gently Disturbed die psychoakustischen Bedingungen untersuchen, denen die Kommunikation gesellschaftspolitischer Inhalte in der experimentellen Musikpraxisunterliegt.Während einer rund 60-minütigen Klangperformance werden die Trennlinien zwischen Verständlichkeit und Diffusion, Markierung und Maskierung erfahrbar gemacht, überzeichnet und verschoben, umklangliches Erleben aus unterschiedlichen Perspektiven zu reflektieren. Mittels umfangreicher elektroakustischer Setups werden klangliche Konkurrenzverhältnisse zwischen kommunizierter Botschaft und Umgebungssignalen aufgebaut und durch die Brille verschiedener sozialer Konstellationen betrachtet.

Das Projekt nimmt sich physikalische Modelle der Akustik als Vorlage: Die Unterscheidung zwischen Nutzschall und Störschall. Nutzschall mit denfür ein gutes Sprachverständnis oder auch die Übertragung von Musikrelevanten akustischen Signalen wird abgegrenzt von jenen des Störschalls – Signale, die die gewollte Wahrnehmung eines Schallereignisses stören.

In Gently Disturbed treffen vorproduzierte Surround - Klänge auf vier erweiterte No-Input-Mixing-Setups. Mit No-Input-Mixing greift sh|ft auf eine Musikpraxis zurück, die mit dem Inbegriff von Störschall arbeitet: Durch Feedback-Schleifen erzeugte und verstärkte Klänge, die aus Fehlern und Unzulänglichkeiten in der Anlage entstehen, und in der Tontechnik üblicherweise um jeden Preis minimiert werden, um den eigentlichen Nutzschall nicht zu verdecken. Diese von Stör- zu Nutzgeräusch transformierten Klänge werden mit vorproduzierten Klangumgebungen konfrontiert, um Konfliktlinien zu zeichnen: Das Konzept des Störens soll aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden, sei es im Kontext aufmerksamkeitsökonomischer Strukturen von Social Media oder hinsichtlich Lärmemissionen in postindustriellen und postdigitalen Landschaften.

Entstehen soll ein Aufführungsformat, das klangliche Immersion und experimentelle Musikpraxis vereint und durch performative Elemente ergänzt.